Forschungsprojekte
 
 
 
 


Forschungsprojekt: Stimmen als Paradigmen des Performativen

Ziel des Projektes ist es, eine performative Ästhetik der Stimme zu entwickeln. Dabei gehen wir von der These aus, dass sich die Stimme als ein Paradigma des Performativen verstehen lässt, da sich in ihr verschiedene Dimensionen von Performativität (u. a. Medialität, Aufführungscharakter, Ereignishaftigkeit, Iterativität) bündeln.

Im Zentrum unserer Überlegungen stehen zwei Grundgedanken: Zum einen ist die Stimme nicht bloß als Trägerin, als Medium von Sprache zu verstehen, sondern als ein Ereignis, das spezifische Wirklichkeiten und Wirkungen hervorbringt. Zum anderen ist das Sprechen als ein Tun zu konzeptualisieren, das immer ein Ineinander von Aktion und Geschehenlassen, von Erzeugung und Emergenz darstellt.

Das Projekt konzentriert sich auf Aufführungen von Sprechstimmen in verschiedenen Künsten und Medien seit den 1960er Jahren bis zur Gegenwart, bezieht jedoch neben Beispielen aus Theater- und Performancekunst, Video- und Installationskunst, Hörspiel und Film, Internetkunst sowie Sound/Radio Art auch ausgewählte Stimmphänomene des außerkünstlerischen Alltags und der Populärkultur mit ein.   › Link


Das Teilprojekt gliedert sich in drei Unterprojekte:

· Das Unterprojekt Stimmen als Paradigmen des Performativen soll eine Ästhetik von Stimme und Stimmlichkeit erarbeiten, die der Annahme Rechnung trägt, dass es weder einen Körper noch eine Sprache vor der jeweils konkreten Artikulation gibt. Es wird davon ausgegangen, dass Sprache immer nur in einem räumlich und zeitlich situierten Vollzug realisiert wird, dessen unterschiedliche materiale und mediale Bedingungen sich sowohl auf die Körperlichkeit als auch auf die Sprachlichkeit auswirken, die in und mit einer Sprachhandlung entstehen.


· Das Unterprojekt Stimmen, Medien und Techniken soll an ausgewählten Materialien das Verhältnis von Performativität, Stimmlichkeit und Medialität fokussieren. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass sich gerade am Beispiel der Stimme, die nicht nur in unserem Alltagsverständnis häufig als "unmittelbarer" und "unverfälschter Ausdruck" einer Person aufgefasst wird, sowohl die Einschreibung von (Körper-)Techniken als auch von Medien in den Körper besonders gut erforschen lässt.


· Das Unterprojekt Stimmlichkeit, Körperlichkeit, Affektivität untersucht verschiedene Stimminszenierungen im Gegenwartstheater und in der Gegenwartskunst. Im Zentrum stehen u.a. das Verhältnis von Stimme und Körper, von Stimme und Raum sowie der Zusammenhang von Stimme und Geschlecht. Ausgehend davon, dass die stimmliche Artikulation immer auch an die Wahrnehmung von Stimmen geknüpft ist, verfolgt das Unterprojekt verschiedene Facetten der Wirksamkeit und Erfahrung von Stimmen.

 
 
THEATER WISSENSCHAFT